Anfrage zur Stadtratssitzung am 08.12.2021 – Greiz bald Welterbestätte? Wie passt das zur Marstall-Bebauung?

Sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte, sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Im November-Amtsblatt von Greiz findet sich ein kurzer Artikel mit der Überschrift

„Greizer Schlösser mit im Antrag für Unesco-Welterbe“, dabei ein Foto des Oberen Schlosses und ein weiteres mit Ihnen, Herr Schulze, dem Architekten M.Hamann und dem Thür. Kulturminister Prof. Dr. Hoff.

Ich kann also voraussetzen, das Ihnen als Stadträten bekannt ist, dass Greiz mit seinen beiden Schlössern, Sommerpalais und Park zu den 8 ausgewählten Orten gehört, die sich unter dem Begriff Kulturlandschaft „Thüringer Residenzen“ um Aufnahme in die nationale Vorschlagsliste zum Welterbe bemühen.

Greiz hat dabei das Alleinstellungsmerkmal, als einzige Residenzstadt mit gleich zwei Schlössern vertreten zu sein, welche ja die Besonderheit der zwei Herrschaftslinien des Reußischen Fürstenhauses widerspiegeln. Bei dieser illustren Auswahl von Thüringer Residenzen dabei zu sein, ist einerseits eine große Anerkennung ( wie Sie, Herr Bürgermeister, es in dem Beitrag sagen) und andererseits eine große Verantwortung sowie eine Chance für Greiz als Kultur- und Tourismusstandort.

In der zur Antragstellung im Oktober stattgefundenen Medienkonferenz der Landesregierung kann man sich Einblicke in das Antragsverfahren, die Auswahlkriterien und den Prozess der wissenschaftlichen Erarbeitung des Projektes holen. Dabei sollen sich Welterbestätten durch ein hohes Maß an Echtheit und Glaubwürdigkeit, an Vollständigkeit und Unverletztheit auszeichnen. Und – jetzt wird es interessant – das gilt nicht nur für die benannten Schlösser selbst, sondern ebenso für die begleitende Residenzarchitektur. Prof. Dr. Haspel von ICOMOS führt dazu aus:„…Wir haben hier den Typus dieser Residenzlandschaften, also der Residenzen, die nicht nur einzelne Bautypen umfassen, sondern die immer Zubehör mit umfassen…“.

Was ist denn dieses Zubehör im Sinne von Begleitarchitektur für Greiz? Mir fallen dazu die Alte Wache oder der Gasparinentempel, das Mausoleum in Waldhaus und eben auch der Fürstliche Marstall ein. (die Liste ließe sich deutlich erweitern!) Wenn also das Marstall-Center in der bisher geplanten, oder einer ähnlichen Dimension entsteht, würde ein wichtiger Begleitbau der Greizer Schlösser zumindest optisch verschwinden, bzw. der Öffentlichkeit entzogen.

Und nun komme ich zu meiner Frage:

Ist Ihnen als Stadträten bewusst, dass mit dem vorgesehenen Bebauungsplan und dem Bau des „Marstall-Centers“ der gesamte Thüringer Welterbe-Antrag gefährdet werden kann, und was wollen Sie tun, dass dieses Szenario nicht eintritt?

Diese Anfrage wurde von mir in der Bürgerfragestunde gestellt, um die Bedeutung des Themas für die Greizer städtebauliche Entwicklung allen Stadträten noch einmal bewusst zu machen. Ich empfahl den Anwesenden, sich die Landesmedienkonferenz anzusehen, um für das Thema Weltkulturerbe ein Gespür zu entwickeln.

Bürgermeister Alexander Schulze antwortete, er sei bei der Videokonferenz der Bürgermeister aller ausgewählten Städte mit Kulturminister Hoff dabei gewesen, und er wisse um die Wichtigkeit der Sache. Man werde diese Antragstellung zum Welterbe sehr ernst nehmen und sie in der zukünftigen Stadtentwicklung berücksichtigen. In Punkto Marstall-Center gebe es weiterhin keine Neuigkeiten, sobald sich etwas tut, würde die Öffentlichkeit und insbesondere wir als Initiative darüber informiert werden. Auch in den Ausschüssen des Stadtrates werde das Thema auf die Agenda kommen.

Uns als Initiative war es wichtig, den enormen Imagegewinn, den Greiz als mögliche Welterbestätte erlangen könnte, einmal in den Fokus zu rücken. Und, wie sich Minister Hoff in der erwähnten Medienkonferenz sinngemäß ausdrückte: Auch wenn es am Ende nicht zum Welterbetitel reichen sollte, kann Thüringen und alle involvierten Städte und Regionen nur profitieren, indem sie zu einem neuen bzw. erweiterten Selbstverständnis ihres historischen Erbes gelangen und dieses in ihrer Kulturlandschaft sichtbar machen.

Michael Krause

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