Gesprächsangebot an die Stadtratsmitglieder

Wir sind stets an einem Meinungs- und Faktenaustausch interessiert und haben das auch nochmal in Briefform dem Stadtrat kommuniziert. Wir sind gespannt auf Reaktionen und neue Erkenntnisse.


Stadtrat der Stadt Greiz,
Markt 12
07973 Greiz
Z. Hd. Stadtratsvorsitzender Dr. Andreas Hemmann

Meinungsaustausch zur Marstallbebauung

Sehr geehrter Herr Stadtratsvorsitzender,
sehr geehrte Damen und Herren Stadträte,

der Aufruf 89 des Neuen Forum, der den Umbruch 1989 eingeleitet hat, begann mit den Worten: „In unserem Lande ist die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft offensichtlich gestört.“ Nun, fast 32 Jahre später, sehen wir in unserer Stadt das gleiche Problem.

Unsere Initiative bemüht sich seit ihrem Bestehen, mit Ihnen, den gewählten Vertretern der Bürgerschaft, in einen Meinungsaustausch über die geplante Nutzung des Marstall-Areals zu treten. Auf unserer Homepage können Sie nachlesen, dass unser Aufruf an Sie, die Abgeordneten, gerichtet ist. Wir haben unsere Argumente öffentlich präsentiert und Fragen gestellt. Der bemerkenswerte Zuspruch aus breiten Kreisen der Bevölkerung und die Unterstützung unseres Anliegens durch Fachleute und Prominente dürfte auch Ihnen nicht entgangen sein.

Aber wir vermissen bis heute Ihre Antworten. Darum möchten wir Sie mit diesem Schreiben freundlichst bitten, mit uns, der Initiative „Stoppt das Marstall-Center Greiz“, das Gespräch zu suchen. Unsere Bemühungen, das Stadtparlament zum Einlenken zu bewegen, bevor wir die gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen, werden von mancher Seite belächelt. Wir aber haben noch Hoffnung, auch wenn unser Gespräch mit dem Bürgermeister und dem Bauamtsleiter nicht unseren Erwartungen entsprach.

In welchem Format dieser Meinungsaustausch stattfinden könnte, sollte der derzeitigen Infektionslage angepasst sein. Ob im Gespräch miteinander oder im schriftlichen Frage-Antwort- Austausch und an welchem Ort, darüber sollten wir uns kurzfristig einigen. Um eine ergebnisorientierte Kommunikation zu erreichen, würden wir vorerst einen kleinen Teilnehmerkreis bevorzugen. Unser Vorschlag wäre: Die Fraktionsvorsitzenden oder Stellvertreter(oder 2 Personen pro Fraktion?), der Vertreter der FDP und der Stadtratsvorsitzende (vielleicht als Moderator?). Unsere Initiative würde gern mit mindestens 3, höchstens 5 Personen teilnehmen.

Uns wurde auch fachliche Kompetenz von dritter Seite angeboten, um etwa städtebauliche, denkmalpflegerische oder ingenieurtechnische Details zu erörtern. Bitte nutzen Sie diese Möglichkeit der umfassenden Information bevor Sie in die Abwägungsphase des Projektes gehen.

Gern stehen wir auch anderen interessierten Abgeordneten bzw. einzelnen Fraktionen für Gespräche zur Verfügung. Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit und würden uns freuen, bald von Ihnen zu hören.

Mit freundlichen Grüßen

I. A. Rudolf Kuhl
Initiative „Stoppt das Marstall-Center“

Zum Gespräch mit Bürgermeister und Bauamtsleiter vom 02.03.21

Nachbetrachtung zum Bürgermeister-Gespräch der Initiative „Stoppt das Marstall-Center Greiz“

Auf Anregung der Initiative trafen sich am Dienstag den 02.03.21 Bürgermeister Alexander Schulze und Bauamtsleiter Bertram Koch mit den Vertretern der Initiative (Rudolf Kuhl, Roland Gräfe und Michael Krause) zur Erörterung der Marstall-Problematik. Das Gespräch verlief respektvoll, wenn auch in der Sache unnachgiebig.

Die Position der Initiative darf mittlerweile als bekannt vorausgesetzt werden, sie gilt ganz klar der Verhinderung dieses Einzelhandelsgroßprojektes. Um so mehr standen Fragen zur Haltung der Stadt und auch des Investors im Fokus.

Um es gleich vorweg zu nehmen; wesentlich neue Erkenntnisse wurden nicht zu Tage gefördert, es gab keinerlei Angebote zu Änderungen am Bauvorhaben. Dies war auch nicht zu erwarten, denn dafür bedarf es eines Mandats durch die Stadträte.

Im Moment, so der Bürgermeister, finde die Auswertung der über 200 Einsprüche aus der frühzeitigen Bürgerbeteiligung und der Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange statt. Dieser Prozess könne sich noch mehrere Wochen hinziehen, ehe es nach Abwägung im Stadtrat zur Offenlegung des angepassten Bebauungsplan-Entwurfs kommt. Mit der einmonatigen Auslage sämtlicher Planungsunterlagen sei im Sommer zu rechnen. (Die Initiative hatte am 25.02.21 Einsichtnahme in die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange beantragt. Wir erhielten die Auskunft, dass noch geprüft werde, ob laut Thüringer Transparenzgesetz ein Anspruch darauf besteht.)

Zum wiederholten Male wurde von Seiten der Stadt die Absicht bekräftigt, die pandemiebedingt ausgefallene Bürgerinformations-Veranstaltung nachzuholen – fragt sich nur wann? Mit Nachdruck wies R.Kuhl darauf hin, dass die Stadtverwaltung es versäumt habe, Personen ohne Internetzugang anderweitig über Details der geplanten Bebauung zu informieren. Man hätte das Amtsblatt, Vogtland TV oder Schaufenster geschlossener Läden nutzen können, um die im Exposé dargestellten Skizzen und wesentlichen Texte zur Erläuterung des Vorhabens zu präsentieren. Amtsleiter Koch äußerte dazu, die Projektvorstellung sei nicht Aufgabe der Stadt, sondern des Investors.

Auf Nachfrage von R.Gräfe hieß es zum Umgang mit dem Denkmal Marstall und Remise; man habe beim Stadtratsbeschluss zur Aufstellung des Bebauungsplanes 2020 keine Kenntnis von dem Thüringer Antrag gehabt, die Residenzkultur des Freistaates unter UNESCO-Weltkulturerbe zu stellen. Auf den Einwurf, dass durch den Tiefbau die Statik des Marstalls beschädigt werden könnte und die Gefahr des Gebäudeabrisses besteht, betonte Herr Koch, das Bauamt habe den Investor bereits ein Jahr zuvor auf mögliche statische Probleme des Denkmals hingewiesen, wenn wenige Meter neben dem alten Marstall in die Tiefe gegraben werde. (siehe dazu auch den Einspruch von Dr. Johannes Hummel)

Amtsleiter Koch erklärte weiter, das zwischen Stadt und Investor stets Transparenz geherrscht habe, und diesem jederzeit zu verstehen gegeben wurde, er agiere auf eigenes Risiko, da das Vorhaben auch scheitern könne. Sollte dies geschehen, entstünden der Stadt keinerlei Kosten. Auch wäre die Stadt keinerlei sonstige Verpflichtungen gegenüber dem Investor eingegangen. Die Frage von M.Krause, ob es sich bei dem Projekt um einen Vorhabenbezogenen Bebauungsplan handelt und es entsprechend einen Vorhaben- und Erschließungsplan geben müsste, konnte nicht abschließend beantwortet werden.

Das in sozialen Medien häufig kursierende Gerücht, beim Marstall-Projekt sei schon alles entschieden, wurde dementiert – im Gegenteil sei noch alles offen. Weiterhin hieß es, das Marstall-Areal inklusive Gebäuden werde erst verkauft, wenn der Bebauungsplan beschlossen ist.

Für Mitbürger, denen die Finanzierung des Vorhabens unklar sei, wurde darauf verwiesen, dass mit dem Investor ein Städtebaulicher Vertrag besteht, durch den die Stadt ihre Planungshoheit abgebe und Investor Wagner sich im Gegenzug zur Übernahme sämtlicher Planungs- und Erstellungskosten verpflichte. Lediglich die verkehrliche Erschließung sei bisher nicht vollständig geklärt, da die betroffenen Straßen in verschiedene Zuständigkeitsbereiche fallen.

Auf unsere grundsätzliche Nachfrage, welche Vorteile das Marstall-Center der Stadt Greiz denn bringe, wurde auf die Standortwünsche und gestiegenen Flächenansprüche der drei Märkte dm, REWE und ALDI verwiesen, und einmal mehr auf das Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Stadt. Auch glaube man weiterhin an die positiven Effekte, welche das Center durch die erhöhte Kundenfrequenz angeblich den Händlern der Innenstadt bringen könne. (wohlgemerkt, die meisten Besucher kommen mit privatem PKW !) Bürgermeister Schulze ergänzte dazu, dass pandemiebedingt schon 10 Geschäftsaufgaben in der Innenstadt zu beklagen sind (noch 79 statt der bisher 89 Einzelhändler).

Die Initiative sprach außerdem die Reduzierung der Nahversorgung in den Stadtteilen Pohlitz und Aubachtal an, wenn REWE und ALDI dort Leerstand hinterlassen und das große Problem am Puschkinplatz, wenn der dm-Markt als Magnetgeschäft fehlt. Dazu wurde nicht Stellung genommen und keine Alternativen geboten.

Auf die Frage, ob sich Bürgermeister und Stadt eine offenere Center-Bauweise mit weniger Nutzfläche und Ausrichtung zur Innenstadt vorstellen könnten, wurde nicht eingegangen. Auch der Gedanke, das Marstallgelände einer gänzlich anderen Nutzung zuzuführen, es z.B. kulturell, touristisch oder parkähnlich zu beplanen, wurde unkommentiert zur Kenntnis genommen. Der Bürgermeister informierte lediglich darüber, dass nun erst einmal die Stadtverwaltung für 2 Jahre in das Marstall-Gebäude umzieht. Dieser Zeitraum sei für die Rathaus-Sanierung eingeplant.

Abschließend dankten wir Bürgermeister und Bauamtsleiter für das Gespräch – es sollte nicht das letzte gewesen sein.

Ausblick und Angebot an die Fraktionen des Stadtrates

Uns als Initiative bleibt die Hoffnung, ein Umdenken bei manchem Stadtratsmitglied in Gang zu setzen. Denn Sie sind es, die wir in erster Linie ansprechen, Ihre Einstellung zu diesem Großprojekt zu überprüfen.

Wir machen hiermit ausdrücklich ein Gesprächsangebot an alle Stadträte, in einem noch zu findenden Format (z.B. Vogtlandhalle?), die verschiedenen Probleme des Center-Neubaus zu diskutieren. Dazu wurde uns auch fachliche Kompetenz von dritter Seite angeboten, um etwa städtebauliche, denkmalpflegerische oder ingenieurtechnische Details zu erörtern. Bitte nutzen Sie diese Möglichkeit der umfassenden Information bevor Sie in die Abwägungsphase des Projektes gehen.

Michael Krause und Rudolf Kuhl

Aktueller Stand (4. Mai 2021) 4005 Unterstützer und allgemeine Hinweise

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe MitstreiterInnen beim Aufruf „Stoppt das Marstall-Center Greiz“,
zuerst möchten wir uns herzlich für die Resonanz und Unterstützung unserer Aktivitäten bedanken! Bei uns sind bis jetzt bereits 1.381 Unterschriften per Internet gelistet. Eine beachtliche Zahl, angesichts der Kontaktsperre. Trotz der wenigen Läden, die geöffnet sein dürfen, rechnen wir mit einer erheblichen Anzahl von Unterschriften auf den dort ausliegenden Listen. Bisher (4. Mai 2021) haben wir 115 dieser Listen mit 2.624 Unterschriften eingesammelt.

Wir haben festgestellt, dass durch technische oder andere Probleme manche der Unterschriften nicht bei uns angekommen sind. Wir möchten ausdrücklich auf Folgendes hinweisen: Nachdem Sie auf „Unterzeichnen“ geklickt haben, wird durch das System eine E-Mail gesendet, die den Absender auffordert, seine Unterzeichnung zu bestätigen. Tun Sie das nicht, gilt die Unterzeichnung nicht als autorisiert und wird nicht gelistet. Das ist eine datenschutzrechtliche Sicherheitsmaßnahme, die E-Mail Missbrauch verhindern soll. Falls Sie mit dem Smartphone unterschreiben, beachten Sie bitte, dass die Bestätigungsmail auch auf Ihrem Computer landen kann, evtl. im Unbekannt- oder Spam-Ordner! Wer sich unsicher ist, ob seine Unterschrift zählt, kann sich an rubijazz@web.de wenden.

2.222 Unterschriften – Initiative kämpft weiter!

Liebe Freunde,

auf den bisher eingesammelten Unterschriftenlisten unseres Aufrufs „Stoppt das Marstall-Center Greiz“, die in verschiedenen Geschäften, Arztpraxen und Physiotherapien ausliegen, haben wir am Wochenende 1.035 Unterstützer gezählt. Gemeinsam mit den 1.215 aus dem Internet stehen bereits mehr als 2.222 Personen hinter unserem Aufruf! Beeindruckt von der großen Resonanz danken wir dafür allen Unterzeichnern.

Diese stolze Zahl lädt zwar zum Feiern ein. Jedoch das Schicksal der Pohlitzer Turnhalle vor Augen und das Wissen, dass das Marstallgebäude ein Dorn im Auge so mancher Befürworter des „Marstall-Center-Plans“ ist, lässt uns keine Wahl. Wir werden gezwungen, unsere Aktivitäten weiter zu verstärken. Solchem respektlosen Umgang mit altehrwürdigen Gebäuden muss Einhalt geboten werden! Unterzeichnen Sie unseren Aufruf „Stoppt das Marstall-Center Greiz“.

Autor, Rudolf Kuhl

Unter „Einsprüche“ ist die Einschätzung der Situation in Greiz von Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Rid von der FH Erfurt hinzugekommen, welche sich auf ein Studierenden-Projekt (zu finden bei „Planungsunterlagen“) der FH Erfurt aus dem Jahr 2015 bezieht.

Außerdem gibt es seit dem 25.02. eine text- und bildlich erweiterte Version des MDR – Radiobeitrags vom 29.01. Hier der Link dazu: Shopping-Hufeisen für Marstall: Greiz streitet über Einkaufszentrum | MDR.DE

Neuste Entwicklungen zum Marstall

Am Mittwoch, dem 27.01.2021 hatte unsere Initiative zwei Radio-Interviews zum Thema Marstall-Bebauung. Auch Bürgermeister Alexander Schulze kommt in den Beiträgen jeweils zu Wort. Der Bericht auf Vogtlandradio wurde am 28.01., der auf MDR-Kultur am 29.01. gesendet. Beide Mitschnitte sind hier zum Nachhören eingestellt.

Bericht Vogtlandradio, Autor Daniel Wermke
Bericht MDR-Kultur, Autorin Mareike Wiemann

Als Fazit bleibt, dass sich Bürgermeister und Initiative nun doch einmal an einen Tisch setzen sollten, um sachlich und im Sinne der Greizer Stadtentwicklung zu diskutieren. Das Angebot von unserer Seite dazu steht.

Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass es zwei neue Rubriken auf unser Website gibt: Unter Offene Briefe sind ganz aktuell Briefe von Dipl. Rest. Mirko Finzsch, von der Ärztin Frau Dr. Petra Linke und das Schreiben des ehemaligen Greizer Kantors und jetzigen Dresdener Frauenkirchen-Kantors Matthias Grünert zu lesen, welches der Stadt und verschiedenen Zeitungen zuging.
Des weiteren finden sich in der Galerie alte und neue Fotos zum Marstall, sowie künstlerische Interpretationen zum Thema.
Auf der Seite Planungen gibt es neu eine Darstellung zum Größenvergleich des geplanten Centers mit Solitärgebäuden und Ensembles der Stadt, wie z.B. Unteres Schloss mit Stadtkirche oder Vogtlandhalle.
Und nicht zuletzt mehren sich auch die Einsprüche gegenüber der Stadt. Der Text von Horst Gröschel ist nun vollständig zu lesen und ganz neu ist ein Beitrag von Dipl. Med. Reinhard Sell eingestellt.